Springe direkt zu: Seiteninhalt, Hauptmenü, Bereichsnavigation

IG Metall Ulm

IG Metall Geschäftsstelle Ulm



Pressekonferenz d. IG Metall am 09.10.09

Presse

14.10.2009 Bericht der Südwest Presse von Frank König am 10.10.2009

In der Metallindustrie steht es auf Messers Schneide

Gewerkschaft schließt eine Entlassungswelle nicht aus - Viele Unternehmer zeigen gesellschaftliche Verantwortung

In der regionalen Metallbranche sind Manager, Belegschaften und die IG Metall nervös: Kommt es wegen der Krise zu Kündigungen oder nicht?

FRANK KÖNIG

Ulm. In der Metall- und Elektroindustrie, der Schlüsselbranche der Region, steht es wegen der schweren Wirtschaftskrise "auf Messers Schneide". Das sagte gestern der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ulm, Reinhold Riebl, vor der Presse.

Nach Erkenntnissen der Gewerkschaft beraten die Firmenchefs in diesen Tagen auf Basis des Auftragseingangs den Rest des Jahres und auch 2010. Weil erst die Hälfte der Wegstrecke in der Krise zurückgelegt und kein Aufschwung eingetreten sei, stünden sowohl Manager als auch Belegschaften unter Spannung. Es gebe zwar keine Entlassungen im großen Stil und somit keinen Dammbruch, relativierte Riebl frühere Äußerungen der IG Metall. Jedoch weiche die Front der Kurzarbeit auf, und es gebe erste "Sickerstellen", die Vorboten einer Flut von Kündigungen sein könnten. Derzeit arbeiten laut Umfrage der IG Metall 7030 von rund 30 000 Beschäftigten in 44 befragten Firmen in Ulm, Alb-Donau und Biberach kurz. Die Gewerkschaft erfasst insgesamt 76 Betriebe mit 37 000 Beschäftigten.

Riebl spielte mit seinen Äußerungen auf die neun Kündigungen beim Drehteilehersteller Brehm im Donautal an (wir berichteten). Die Firma beschäftigt rund 320 Mitarbeiter und ist als Autozulieferer stark von der Krise erfasst. Betriebsratsvorsitzender Bruno Cerquettini sagte aber, Brehm habe sich in guten Jahren ein Eigenkapital-Polster von 50 Prozent zugelegt. Die Kurzarbeit, bei der schon mehr als die Hälfte der Arbeitszeit ausfiel, sei teils auf null zurückgegangen. Die Belegschaft will heute in der Hirschstraße Unterschriften gegen die Kündigungen sammeln und an Thomas Brehm überreichen. Aus Sicht Cerquettinis nutzt Brehm Teilzeit, Altersteilzeit und Abfindungen für freiwilliges Ausscheiden nicht aus.

Riebl sprach im Kontext erster Kündigungen, die auch die Firma Neuweg in Munderkingen betreffen, von "Trittbrettfahrerei". Unternehmer, die in der Wirtschaftskrise vorzeitig die Kurzarbeit aufgeben, verschärften die Lage und würden selbst in den Abgrund der Krise gezogen. Erfreulicherweise zeigten die meisten Firmenlenker gesellschaftliche Verantwortung und müssten sich ihre Entscheidungen nicht von Banken diktieren lassen. Vor allem sorgten "Anker-Unternehmen" wie Liebherr für Stabilität.

Der Liebherr-Konzernbetriebsratsvorsitzende Peter Erhard kündigte ein neues Vorruhestandsprogramm für über 60-Jährige an. Das Werk für Mobilkrane in Ehingen kommt wegen der guten Nachfrage von Windparks noch ohne Kurzarbeit aus und fährt nur Arbeitszeitkonten zurück, auch über verlängerte Werksferien. Ehingen nimmt auch 100 Beschäftigte aus den Werken Biberach, Kirchdorf und Bad Schussenried auf, die unter einem Auftragsrückgang von 40 Prozent in der Baumaschinenbranche leiden.

In Ehingen wurden 100 von 300 Leiharbeitern abgebaut. Das Werk beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter, Liebherr in der Region rund 9300. Auch die Verteidigungssparte der EADS am Standort Ulm erweist sich mit 2900 Beschäftigten als stabiler Faktor. Die Auslastung ist nach den Worten des Betriebsratsvorsitzenden Stefan Baer für zwei oder drei Jahre gesichert. Vergangenes Jahr wurden 150 Mitarbeiter eingestellt, 2009 sind 60 Einstellungen geplant.

Auch bei Kässbohrer Pistenbully mit 340 Mitarbeitern in Laupheim läuft es nach Absage der Verkaufspläne durch Mehrheitsaktionär Ludwig Merckle gut. Betriebsratschef Roland Jakobson sagte, die Belegschaft erwarte bei einer Versammlung am 3. November von Merckle ein klares Bekenntnis zur Firma.

Riebl kritisierte gleichzeitig den Laupheimer Hersteller von Pharmaverpackungsmaschinen Uhlmann, wo nach einem Generationswechsel in der Familie etwa 70 von 1000 Arbeitsplätzen gefährdet seien.

Letzte Änderung: 15.10.2009


Adresse:

IG Metall Ulm | Weinhof 23 | D-89073 Ulm
Telefon: +49 (731) 96606-0 | Telefax: +49 (731) 96606-20 | | Web: www.ulm.igm.de

IG Metall vor Ort


Service-Links: